Warum zählt mein Kind in der 2. Klasse noch an den Fingern? Wenn der Zehnerübergang schwer fällt

Veröffentlicht am 6. März 2026 um 13:30

Viele Kinder zählen auch in der zweiten Klasse beim Rechnen noch an den Fingern. Besonders beim Zehnerübergang kann das zu Schwierigkeiten führen. In diesem Artikel erfahren Sie, warum das passiert und welche Grundlagen beim Rechnen wichtig sind. 

Warum zählt mein Kind in der 2. Klasse noch an den Fingern? Wenn der Zehnerübergang schwer fällt

Viele Eltern bemerken irgendwann, dass ihr Kind beim Rechnen immer noch an den Fingern zählt. Besonders in der zweiten Klasse, wenn Aufgaben mit Zehnerübergang dazukommen, geraten manche Kinder plötzlich unter Druck.

Rechnungen dauern lange, Ergebnisse stimmen nicht oder das Kind wirkt schnell frustriert. Manche Kinder üben Aufgaben immer wieder, können sie sich aber trotzdem nicht merken. Andere zählen im Kopf Schritt für Schritt weiter oder vermeiden Rechenaufgaben ganz.

Solche Schwierigkeiten haben oft weniger mit fehlender Intelligenz zu tun, sondern damit, dass bestimmte Grundlagen des mathematischen Verständnisses noch nicht ausreichend gefestigt sind.

Warum fällt vielen Kindern der Zehnerübergang in der 2. Klasse schwer?

Der Zehnerübergang ist für viele Kinder ein anspruchsvoller Schritt. Damit er gelingt, braucht es bestimmte Grundlagen, die nicht bei allen Kindern gleich sicher entwickelt sind.

Wenn Kinder beim Rechnen an den Fingern zählen

Manche Kinder rechnen immer wieder an den Fingern. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Finger können Kindern helfen, Mengen sichtbar zu machen und Rechenschritte zu strukturieren.

Wenn ein Kind jedoch auch in der zweiten Klasse noch bei vielen Aufgaben auf die Finger angewiesen ist, kann das ein Hinweis darauf sein, dass grundlegende Vorstellungen von Mengen oder Zahlen noch nicht ausreichend gefestigt sind.

Zum Beispiel ist manchen Kindern nicht klar, dass sich bei 6 − 1 oder 6 + 1 die Menge jeweils genau um eins verändert.

Auch das Zerlegen von Zahlen fällt manchen Kindern schwer. Sie erkennen noch nicht, dass zum Beispiel 3 + 4, 5 + 2 oder 2 + 2 + 3 immer dieselbe Menge ergeben.

Visualisierung von Mengen

Beim Rechnen hilft es, wenn Kinder Mengen innerlich „sehen“ können. Man kann sich das ein wenig vorstellen wie einen kleinen Bildschirm im Kopf.

Ein Kind mit guter Visualisierung kann sich zum Beispiel vorstellen, wie sich eine Menge in verschiedene Häufchen aufteilen lässt oder wie sie sich verändert, wenn etwas dazukommt oder weggenommen wird.

Raumorientierung im Zahlenraum

Auch die Raumorientierung spielt eine wichtige Rolle. Kinder müssen sich vorstellen können, wo eine Zahl im Zahlenraum steht.

Zum Beispiel:

  • dass nach 5 die 6 kommt
  • dass Zahlen nach links kleiner und nach rechts grösser werden
  • in welchem Zehner sie sich gerade befinden

Wenn diese Orientierung noch unsicher ist, verlieren Kinder beim Rechnen leicht den Überblick.

Warum Üben allein manchmal nicht hilft

Wenn Grundlagen wie Mengenverständnis, Visualisierung oder Raumorientierung noch nicht ausreichend entwickelt sind, braucht das Gehirn viel Energie, um diese Prozesse zu bewältigen.

Dann bleibt weniger Kapazität für die eigentliche Rechenaufgabe. Während eine Aufgabe mehrere Schritte erfordert, arbeitet das Kind gedanklich noch am ersten Schritt.

Reines Üben von Aufgaben hilft in solchen Situationen oft nur begrenzt. Wichtiger sind Erfahrungen und Übungen, die genau diese Grundlagen stärken.

Was Eltern im Alltag beobachten können

Wenn Ihr Kind beim Rechnen Schwierigkeiten hat, kann es hilfreich sein, auf einige Dinge zu achten:

  • Zählt Ihr Kind häufig Schritt für Schritt weiter?
  • Hat es Mühe, kleine Mengen schnell zu erkennen?
  • Verliert es bei mehreren Rechenschritten schnell den Überblick?

Solche Beobachtungen können Hinweise darauf geben, welche Grundlagen noch gestärkt werden müssen.

Wann kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen?

Wenn Sie beobachten, dass Ihr Kind trotz Üben immer wieder beim Rechnen stolpert oder schnell frustriert wird, kann es sinnvoll sein, die Grundlagen des Rechnens genauer anzuschauen.

Oft fehlen nicht Fähigkeiten oder Intelligenz, sondern bestimmte Entwicklungsschritte, die für das mathematische Verständnis wichtig sind.

In einem Orientierungsgespräch schauen wir gemeinsam an, wo Ihr Kind im Moment steht und welche nächsten Schritte sinnvoll sein können.

Manchmal reicht schon ein neuer Blick auf die Situation, um wieder mehr Ruhe und Sicherheit ins Lernen zu bringen.


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